Frau Bischof, kurzer Rückblick: Wie kann man die vergangene Saison in der 2. Frauen-Bundesliga beschreiben? Vielleicht als kleine Achterbahnfahrt?
Es war schon ein steinharter Weg – den wir aber dann gut gegangen sind. Die vielen Abstiegsplätze jeweils in der Nord- und Südstaffel, bevor die Liga wieder eingleisig wurde, und die entsprechenden Regularien haben viel Druck in die Saison gebracht.
Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie sich nicht nur für die eingleisige 2. Liga qualifiziert haben, sondern letztendlich sogar Vizemeister geworden sind?
Wir haben uns von Spieltag zu Spieltag verbessert und immer mehr zusammengefunden. Bei einer jungen Mannschaft gibt es auch immer ein Auf und Ab, was sich am ein oder anderen Spieltag gezeigt hat. Aber unterm Strich haben wir regelmäßig gepunktet. Und ab der Rückrunde hat dann wirklich jedes Rädchen ins andere gegriffen. Alle hatten unsere Spielidee verinnerlicht, waren voll fokussiert und haben sich voll reingehauen. Und unsere Konkurrenz konnte eben nicht regelmäßig punkten, haben sich gegenseitig die Punkte genommen und wir konnten mit vielen Siegen voranmarschieren. Dadurch waren wir zwei Spieltage vor Schluss sicher vor den Abstiegs- und Relegationsplätzen und haben am letzten Spieltag die Vizemeisterschaft geholt.
Wie groß war der Umbruch zur neuen Saison?
Der Umbruch ist wieder sehr groß. Das ist auch etwas Corona-bedingt, da jetzt unter anderem wieder mehr Spielerinnen mit einem Stipendium in die USA gehen können. Das sind sonst ein, zwei Spielerinnen – dieses Jahr sind es fünf. Wir freuen uns auch, dass mit Michelle Weiß zu Bremen und Nicole Woldmann zu Jena zwei Spielerinnen den Sprung in die erste Liga geschafft haben. Diese Spielerinnen mussten wir natürlich wieder ersetzen, haben ein paar Externe dazu bekommen, aber auch sehr viele Spielerinnen aus der eigenen U17 übernommen.
Sind Sie trotzdem bereit für den Saisonstart?
Es war eine schwierige Vorbereitung. Wir haben ein paar verletzte Spielerinnen und – glücklicherweise – durften auch fünf Spielerinnen mit der ersten Mannschaft die Vorbereitung spielen, was für sie natürlich großartig ist. Da können sie unglaublich viel lernen, daher freuen wir uns immer über diese Möglichkeit. Unsere Vorbereitung wurde dadurch natürlich nicht einfacher, aber wir haben das Beste daraus gemacht und sind startklar.
Was erwartet Sie und Ihr Team in der nun wieder eingleisigen Liga?
Vor allem mehr Spiele, da es jetzt wieder 14 Mannschaften anstatt neun Mannschaften sind und damit verbunden viele weite Reisen. Beispielsweise am zweiten Spieltag gleich nach Hamburg – das ist ein großer Unterschied zur letzten Saison. Zudem haben wir neue, interessante Gegner in der Liga, wie etwa RB Leipzig oder den MSV Duisburg.
Gibt es konkret gesteckte Ziele?
Wir müssen versuchen, den großen Umbruch schnellstmöglich zu schaffen, die neuen Spielerinnen zu integrieren und ein Team zu werden, das in dieser Liga auch bestehen kann. Wir haben die jüngste Mannschaft, die wir je hatten. Die jungen Spielerinnen müssen sich an das Niveau der Liga gewöhnen, was seine Zeit dauern wird. Aber dann wollen wir von Spieltag zu Spieltag fleißig Punkte sammeln.
Sie sind ja auch generell für die Nachwuchsförderung im Frauenfußball zuständig: War es Corona-bedingt schwer, hier den Betrieb aufrecht zu erhalten und voranzukommen?
Corona hat hier sehr viel geändert. Aber wir haben das, denke ich, bestmöglich gemeistert. Nach der Unterbrechung konnten wir mit Teilen der zweiten Mannschaft auch bald wieder den Trainingsbetrieb aufnehmen und haben bis dahin eben viele Videokonferenzen abgehalten. Bei den U17-Mannschaften war hingegen fast ein Dreivierteljahr Stillstand. Und es wird schwierig sein, das wieder aufzuholen. Ich habe den Spruch gehört, dass der deutsche Fußball kollektiv einen Kreuzbandriss hatte. Von der Ausfallzeit kommt das leider hin. Aber wir gehen die Herausforderung an, wollen die Spielerinnen bestmöglich weiterentwickeln, egal auf welchem Stand sie sind.
Was sind in dem Bereich die Ziele der Abteilung?
Ein großes Ziel ist es, den Übergang zwischen der U17 und der U20 für die Spielerinnen zu vereinfachen. Dieser Sprung ist riesengroß – vom Juniorinnen- in den Frauenbereich. Man spielt plötzlich gegen Spielerinnen die zehn Jahre älter und erfahrener sind. Und da unser Kader immer jünger wird und wir viele U17-Spielerinnen in die Zweite mitnehmen wollen, müssen wir umso mehr darauf achten, wie wir das bestmöglich gestalten.
